"Sterben Sie doch alleine!"
- Pauline Linke
- 31. Aug. 2022
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 4. Juli 2024
Stell dir einmal folgende Geschichte:
(Besetzung der Rollen in der Geschichte: Busfahrer, alter Mann & das Ich)
Ich sitze in einem Bus - ohne Maske. Der Busfahrer wusste darüber Bescheid.
Ein alter Mann stieg in den Bus hinein. „Was ist mit Ihrer Mund-Nasen-Bedeckung?“, fragte er mich mit einem verärgerten, schrillen Ton. „Ich trage keine aufgrund meines Atest's.“, entgegnete ich ihm in einem freundlichen Ton. Der Busfahrer schaltete sich mit ein und sagte mit ruhiger Stimme: „Es ist alles in Ordnung. Ich habe das geprüft. Der Bus ist ohnehin nicht so voll. Sie finden noch leere Sitzplätze!“
Der alte Mann wurde wütender und stieg gestikulierend aus dem Bus hinaus. Dann brüllte er: „Hier fahre ich nicht mit, dass können sie vergessen! Das ist doch alles Lug und Betrug mit den Atests! Ich glaube davon gar nichts!“

Dann schaute er mich an und sagte: „Sie sollen alleine sterben! Sterben Sie doch alleine!“ Ich zuckte kurz zusammen, als er dies aussprach. Doch dann war ich wieder ganz ruhig und schaute ihn weiter stillschweigend an. Der Busfahrer ergriff das Wort, um mir beizustehen: „Hören sie mal, dass geht sie doch überhaupt nichts an!“ Es ging noch ein wenig weiter zwischen den beiden. Nach einigen Wortwechseln stand der alte Herr weiterhin entrüstend vor dem Eingang des Busses und sprach mit erhobener Hand zum Busfahrer: „Ich werde mich Beschweren!“
„Mit solchen Menschen bringt es nichts zu reden!“, entgegnet der Busfahrer und schüttelt den Kopf. Es schien, als ob der Busfahrer dies mehr zu sich selbst, als zu mir zu sagte. Er schloss die Türen, fuhr weiter und meldete den Vorfall seiner Zentrale. Triumphierend sagte er zu mir: „So jetzt wird der Mann auch gleich die richtige Antwort bei seiner Beschwerde bekommen!“
Es kam mir so vor, als ob ich in diesem Schauspiel der stumme Schauspieler war.
Ich war dem Busfahrer dankbar, dass er sich für mich so beschützend einsetzte. Doch es war auch unnötig, wie er es selbst zum Schluss mit seinen Worten zum Ausdruck brachte: "Mit solchen Menschen bringt es nichts zu reden!"
Ich hatte keinen Groll gegen den alten Mann. Ich hatte nichts weiter als Mitgefühl für ihn übrig. Der alte Mann hatte Angst. Er war eingenommen von dieser Angst. Er hatte Angst vor dem Tod. Mehr noch. Er hatte vermutlich Angst davor allein zu sterben. Wie könnte ich ihm dann seine Reaktion verübeln?
Nach dem er diesen Satz zu mir sagte: „Dann sterben sie doch allein!“ und mir klar wurde was tiefer dahinter stecken mag, wurde ich innerlich weich und schaute ihn mit einem liebevollen Blick an.
Wie hättest du dich verhalten und warum?
"In jedem Augenblick, selbst wenn du nicht so behandelt wirst, wie du dir das wünscht, kannst du Liebe verwirklichen und geben, weil du Liebe bist. Du bist Bewusstsein, dass als Liebe lebendig ist und als die Fülle die durch diesen Augenblick tanzt. Du bist mit der von dir gesuchten Liebe bereits eins." - David Deida



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